Herzrasen in den Wechseljahren: Normal oder ein Warnsignal?
Herzrasen in den Wechseljahren ist häufig und meist harmlos. Hier erfährst du, woher Herzklopfen kommt, was hilft und wann du zum Arzt solltest.
Von Tanja Oberließen · Veröffentlicht am · Aktualisiert am · 5 Min. Lesezeit

Du liegst abends auf dem Sofa, nichts Aufregendes passiert, und plötzlich pocht dein Herz bis zum Hals. Oder es stolpert kurz, als hätte es einen Schlag verpasst. Herzrasen in den Wechseljahren gehört zu den Beschwerden, die besonders verunsichern, weil sie sich so bedrohlich anfühlen. Viele Frauen erzählen erst spät davon, aus Sorge, übertrieben zu wirken.
Dabei ist Herzklopfen in den Wechseljahren gar nicht selten. In diesem Artikel erfährst du, warum das Herz in dieser Phase anders reagiert, wie du harmloses Herzrasen von Warnzeichen unterscheidest und was dir im Alltag hilft.
bis zu 40 %
der Frauen berichten in der Perimenopause von Herzklopfen
60–100
Schläge pro Minute gelten als normaler Ruhepuls
Sekunden bis Minuten
dauert Herzrasen bei einer Hitzewallung meist
Warum bekommt man Herzrasen in den Wechseljahren?
Östrogen wirkt nicht nur auf Gebärmutter und Brust. Es beeinflusst auch die Blutgefäße und das vegetative Nervensystem, also den Teil deines Nervensystems, der Herzschlag, Atmung und Körpertemperatur ohne dein Zutun steuert. Wenn der Östrogenspiegel schwankt und sinkt, reagiert dieses System empfindlicher. Das Herz schlägt schneller oder kräftiger, und du nimmst es deutlicher wahr.
Dazu kommen Faktoren, die in dieser Lebensphase oft zusammentreffen: schlechter Schlaf, Stress im Beruf und in der Familie, mehr Kaffee, um durch den Tag zu kommen. Jeder dieser Punkte allein kann das Herz antreiben.
Wie hängen Herzrasen und Hitzewallungen zusammen?
Bei einer Hitzewallung weiten sich die Blutgefäße der Haut, damit der Körper Wärme abgeben kann. Um den Blutdruck zu halten, schlägt das Herz in diesem Moment schneller. Viele Frauen spüren deshalb Herzrasen und Hitzewallungen gleichzeitig: erst das Pochen, dann die Hitzewelle, dann den Schweiß. Das ist eine typische, meist harmlose Kombination.
Was ist Herzstolpern in den Wechseljahren?
Herzstolpern beschreibt das Gefühl, dass das Herz kurz aussetzt oder einen Extraschlag macht. Medizinisch heißen diese Extraschläge Extrasystolen. Sie kommen bei vielen gesunden Menschen vor und werden in den Wechseljahren oft erstmals bemerkt, gerade abends im Liegen, wenn es ruhig ist.

Ist Herzrasen in den Wechseljahren normal?
Kurze Phasen von Herzklopfen, die von selbst wieder abklingen, sind in den Wechseljahren häufig und meist ungefährlich. Gleichzeitig ist das Herz ab 40 kein Thema, das man einfach abwinken sollte: Mit sinkendem Östrogen steigt das Risiko für Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch eine Schilddrüsenüberfunktion, Eisenmangel oder Blutarmut können Herzrasen auslösen.
| Eher harmlos | Bitte ärztlich abklären |
|---|---|
| Herzklopfen bei einer Hitzewallung | Herzrasen mit Brustschmerz oder Druck in der Brust |
| Kurzes Stolpern, das von selbst vergeht | Atemnot, Schwindel oder Ohnmachtsgefühl |
| Pochen nach Kaffee, Stress oder Treppensteigen | Ruhepuls dauerhaft über 100 oder unregelmäßig |
| Puls beruhigt sich nach wenigen Minuten | Anfälle, die länger als 15–20 Minuten dauern |
Herzinfarkte zeigen sich bei Frauen oft untypisch: mit Übelkeit, Rückenschmerz, Atemnot oder großer Erschöpfung statt mit dem klassischen Brustschmerz. Nimm solche Zeichen ernst.
Was hilft gegen Herzklopfen in den Wechseljahren?
Wenn ernste Ursachen ausgeschlossen sind, kannst du selbst viel tun, damit sich dein Herz beruhigt.
Sofort-Hilfe, wenn das Herz rast
- 1. Setz dich hin und lass die Schultern sinken.
- 2. Atme vier Sekunden durch die Nase ein und sechs Sekunden langsam durch den Mund aus. Das lange Ausatmen aktiviert den Ruhenerv (Vagusnerv).
- 3. Trink ein Glas kaltes Wasser in kleinen Schlucken.
- 4. Leg ein kühles Tuch in den Nacken, besonders wenn gleichzeitig eine Hitzewallung kommt.
- 5. Nach zwei bis drei Minuten: Puls fühlen und kurz notieren.
Im Alltag vorbeugen
- Kaffee und schwarzen Tee auf ein bis zwei Tassen am Vormittag begrenzen.
- Alkohol reduzieren, besonders am Abend, er treibt den Puls nachts an.
- Täglich 30 Minuten zügig gehen: Regelmäßige Bewegung senkt den Ruhepuls langfristig.
- Genug trinken, etwa 1,5 bis 2 Liter am Tag, denn Flüssigkeitsmangel beschleunigt das Herz.
- Feste Pausen einplanen, in denen du wirklich abschaltest.

Wann muss ich mit Herzrasen zum Arzt?
Lass Herzrasen in den Wechseljahren abklären, wenn es neu auftritt und häufig wiederkommt, wenn es dich stark verunsichert oder wenn eines der Warnzeichen aus der Tabelle dabei ist. Das ist kein Überreagieren, sondern vernünftige Vorsorge.
Typische Untersuchungen sind ein Ruhe-EKG, eventuell ein Langzeit-EKG über 24 Stunden, eine Blutdruckmessung und ein Blutbild mit Schilddrüsenwerten und Eisen. Sind die Ergebnisse unauffällig, ist das oft schon eine große Erleichterung. Bei starken Wechseljahresbeschwerden kann deine Gynäkologin mit dir auch über eine Hormontherapie sprechen, die laut aktueller S3-Leitlinie Hitzewallungen und damit verbundene Beschwerden wirksam lindert.
Häufige Fragen
Ist Herzrasen ein typisches Symptom der Wechseljahre?
Ja. Viele Frauen bemerken in der Perimenopause Herzklopfen oder Herzstolpern, oft zusammen mit Hitzewallungen. Ursache sind die schwankenden Hormone, die das vegetative Nervensystem empfindlicher machen.
Kann Herzrasen in den Wechseljahren gefährlich sein?
Meist ist es harmlos. Gefährlich kann es sein, wenn Brustschmerz, Atemnot, Schwindel oder Ohnmachtsgefühl dazukommen oder der Ruhepuls dauerhaft über 100 liegt. Dann bitte zeitnah ärztlich abklären lassen, im Notfall 112 wählen.
Warum habe ich nachts Herzrasen?
Nachts nimmst du deinen Herzschlag in der Stille deutlicher wahr. Außerdem kommen nächtliche Hitzewallungen oft mit Herzklopfen. Alkohol, spätes Essen und Grübeln verstärken das zusätzlich.
Welche Untersuchungen sind bei Herzrasen sinnvoll?
Meist ein EKG, eine Blutdruckmessung und ein Blutbild mit Schilddrüsen- und Eisenwerten. Bei unklaren Befunden kann ein Langzeit-EKG folgen.
Fazit: Herzrasen in den Wechseljahren ernst nehmen, aber nicht fürchten
Herzrasen in den Wechseljahren ist meist eine Reaktion auf die hormonelle Umstellung und oft eng mit Hitzewallungen verbunden. Lass es einmal gründlich abklären, dann kannst du mit ruhigem Atmen, weniger Koffein, Bewegung und festen Pausen viel dafür tun, dass dein Herz wieder gelassener schlägt. Mehr Ideen für deinen Alltag findest du in unserem kostenlosen Hörbuch mit E-Book.
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Wenn dich Beschwerden stark belasten, neu auftreten oder dir Sorgen machen, sprich bitte mit deiner Hausärztin oder Gynäkologin.




